41,5 Mio. Euro vom Daimler

Wer heute auf die Internetseite http://www.ja-zum-erfolg.info/ geschaut hat wird sich denken, dass es immer noch keine Fakten zur Ausgliederung gibt. Dabei hat der VfB an anderer Stelle stolz den Einstieg von Daimler offiziell verkündet. An Tagen wie diesen kann man schon mal vergessen, dass man vor wenigen Tagen erst eine eigene Internetseite zum Thema Ausgliederung eingerichtet hat auf der man eigentlich informieren möchte.

Für 11,75 Prozent VfB Stuttgart 1893 AG soll vom Investor ein Betrag von 41,5 Mio. Euro fließen. Ist das jetzt „eine Hausnummer“ oder was ist das jetzt?

Ein Blick in den Geschäftsbericht 2016 der Daimler AG verdeutlicht den Umfang der Investition. Auf Seite 11 des Berichts werden Angaben zu bestehenden Beteiligungen gemacht. Zum 31.12.2016 hatten diese einen Wert von 2,3 Mrd. Euro. Die gesamten Finanzanlagen lagen bei 30,2 Mrd. Euro. Eine solche Beteiligung als Teil der Finanzanlagen wäre auch die Investition in den VfB.

21 Daimler Bilanz

Vielfach habe ich in den letzten Monaten die Aussage entgegnet bekommen, dass es ein Geschenk ist von Daimler, uns Geld zur Verfügung zu stellen, „was sie nie mehr wieder sehen“ und dabei sogar auf eine Gewinnbeteiligung zu verzichten. Das Wort „gönnerhaft“ fiel dabei regelmäßig. Dazu folgende Ausführungen:

Bilanziell betrachtet hat die Daimler AG einen Aufwand von 0 Euro. Stattdessen hat sie einen von Gewinn- und/oder Verlust unabhängigen sogenannten Aktivtausch: sie gibt Geld und erhält dafür eine Beteiligung mit dem gleichen Wert. Das Vermögen ändert sich insofern nicht. Dieser Vorgang ist bilanziell ergebnisneutral. Der Abgang von 40 Mio. Euro Geld (=Liquidität) ist für Daimler zu verschmerzen. Zum 31.12.2016 standen laut Bilanz Zahlungsmittel von 1,7 Mrd. Euro zur Verfügung.

Auf eine Dividende ist der Investor nicht angewiesen. Sicherlich ist es für die Rentabilität einer Kapitalanlage zunächst unvorteilhaft, wenn ich 40 Mio. Euro gebe und dafür Vermögen im Wert von 40 Mio. Euro erhalte (= Rentabilität von 0). Aber: eine Dividende ist die Ausschüttung eines Gewinns.

21 Dividende

Wenn die VfB Stuttgart 1893 AG einen etwaigen Gewinn nicht ausschüttet, also keine Dividende gewährt, bleibt als Alternative die Zuführung des Gewinns zum Eigenkapital. Hat die VfB AG ein höheres Eigenkapital, so hat sie einen entsprechend höheren Wert. Hat der VfB einen höheren Wert, so hat der Anteil vom Investor einen höheren Wert. Dem Investor ist es daher „egal“ ob der Gewinn ausgeschüttet oder thesauriert (dem Eigenkapital zugeführt) wird.

Apropos „entsprechend höherer Wert“. Stefan Heim und Co. erwarten für den VfB aus dem Verkauf von Anteilen insgesamt 100 Mio. Euro. Zunächst erhalten Sie nun 41,5 Mio. Euro für 11,75 Prozent. Es sollen maximal 24,9 Prozent verkauft werden, also müssen die verbleibenden 13,15 Prozent einen Betrag von 58,5 Mio. Euro bringen. Der VfB müsste dazu einen Wert von 445 Mio. Euro vorweisen. Theoretisch.

Praktisch: Momentan würde der Wert bei 353 Mio. Euro (41,5 / 11,75 x 100) liegen. VfB und Daimler wären am Grundkapital beteiligt (88,25 VfB, 11,75 Daimler). Es würden neue Aktien ausgegeben, mit denen weitere 58,5 Mio. Euro erzielt werden sollen. Theoretisch würden beide Anteilseigner (1 VfB, 2 Daimler) gleich viele von den neuen Aktien kaufen . Damit wären ihre Anteile weiterhin konstant (88,25 VfB, 11,75 Daimler). Praktisch kauft aber nur Daimler neue Aktien. Die bisherigen Anteile werden dadurch „verwässert“. Das heißt: in Summe waren alle Aktien vor der Neuausgabe 100 Prozent. Nach der Neuausgabe sind sie (alte Aktien plus neue Aktien) wieder 100 Prozent. Also ist die Summe der „alten“ Aktien nun nicht mehr 100, sondern geringer. Eben da es jetzt mehr Aktien gibt als zuvor. Im Ergebnis werden die bisherigen 88,25 Prozent des VfB zu in diesem Fall nur noch bspw. 75,1 Prozent. Je mehr der VfB dann Wert hätte, desto weniger Prozent müsste er verkaufen um 58,5 Mio. Euro zu erhalten. Klingt kompliziert, ist es auch. Das darf gerne vom VfB bei Gelegenheit erklärt werden.

Unabhängig davon verändert sich der Unternehmenswert nicht allein im Fall einer zusätzlichen Zuführung von Kapital, sondern auch durch sonstige Einflüsse. Davon profitiert dann notwendigerweise auch der Investor, da seine Anteile ja ebenfalls entsprechend mehr wert werden.

Was also kann der Investor gewinnen und was kann er verlieren?

Der Investor verliert, wenn der Wert des Unternehmens VfB Stuttgart 1893 AG sich reduziert. Dann müsste er die Beteiligung ggfs. abschreiben. Daimler hat 2016 für Tochtergesellschaften in Brasilien und Indien Abschreibungen von mehr als 1 Mrd. Euro ausgewiesen. Selbst wenn sich der Wert der VfB-Kapitalgesellschaft auf 0 Euro reduzieren würde, so würde Daimler ein Abschreibungsbedarf von maximal 41,5 Mio. Euro (= investierte Summe) belasten. Dieser würde kaum ins Gewicht fallen (zweite Nachkommastelle).

Der Investor gewinnt, wenn der VfB mehr wert wird, z.B. durch den Abschluss neuer Fernsehverträge. Startet der VfB mit einem Wert von 353 Mio. Euro und steigert sich auf 400 Mio. Euro, so hält der Ankerinvestor dort – sofern er keine zusätzlichen Mittel investiert – weiterhin 11,75 Prozent, also 400 / 100 x 11,75 = 47 Mio. Euro. Bei investierten 41,5 Mio. Euro ergibt sich damit eine Rentabilität von 100 / 41,5 x 47,0 = 13 Prozent (fiktives Beispiel). Bräuchte dieser Investor noch eine Dividende?

Das Risiko für Daimler hält sich hier in sehr engen Grenzen. Es ist keineswegs so, dass Daimler uns Geld gibt, was sie nie mehr wiedersehen. Sie sehen es bei jedem Abschluss auf der Aktivseite ihrer Bilanz als Kapitalanlageposition. Insofern würde ich auch ungerne das Wort „Gönner“ benutzen, da dies in der Regel synonym zum Mäzenatentum verstanden wird, bei dem man etwas gibt OHNE dafür eine Gegenleistung zu erhalten.

Daimler kann also eine sehr gute Rendite gewinnen ohne in wesentliches Risiko zu gehen. Außerdem sind sie als Investor wesentlicher Taktgeber beim VfB Stuttgart und können den Einstieg eventueller Wettbewerber direkt vor ihrer Haustür unproblematisch verhindern. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass Tesla unser Hauptsponsor wird, wenn Daimler Investor ist?

Ebenfalls interessant ist die Situation bei einem eventuellen Ausstieg des Investors. Was, wenn Daimler die Anteile wieder abgeben möchte? Sie sollen dann nicht an „den Chinesen“ gehen. Der VfB soll sie dann zurückkaufen. Für den oben beschriebenen und vom VfB erhofften Fall der Wertsteigerung auf 400 Mio. Euro (schnellstmöglich) würde der VfB demzufolge heute 41,5 Mio. vom Investor erhalten und müsste am Tag x für die gleichen 11,75 Prozent (400 / 100 X 11,75) einen Betrag von 47,0 Mio. Euro zurückzahlen. Dies entspräche dann einem Darlehen mit einem Zins von mehr als 13 Prozent. Oder wie ist die detaillierte Regelung hier vorgesehen?

Was würde denn der VfB gewinnen und was würde der VfB verlieren?

Diese Frage kann die derzeitige Vereinsführung sicherlich auf http://www.ja-zum-erfolg.info/ beantworten. Gerne mit all ihren Facetten.

Anmerkung: eine erste Fassung vom 20.04.2017 war leider fehlerhaft. Komplizierte Dinge einfach erklären zu wollen führte in diesem Fall zu einer verzerrten Darstellung. Den Fehler damit zu begründen, dass der Artikel nach einem langen Arbeitstag noch nachts online ging macht die Sache nicht besser. Der Artikel wurde deshalb ebenfalls am 20.04.2017 angepasst.

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