Fake vs. Fakt

Der VfB Stuttgart informiert auf seiner Seite http://www.ja-zum-erfolg.info/fakes-fakten/ über Fakes und Fakten. Er nennt dies Wahrheit und Dichtung.

In einem ersten Schritt nennt er zwei Falschaussagen und korrigert diese. Dass die dafür verwendeten Grafiken die Nummern 1 und 3 tragen lässt vermuten, dass ein weiterer vermeintlicher Fake vielleicht doch noch rechtzeitig als Fakt erkannt wurde.

fakefakt1

Fake: Der Verein wird nach einer Ausgliederung von Investoren gesteuert.

Fakt: Der Verein hat mit mindestens 75,1% der Anteile auch in Zukunft immer das alleinige Sagen.

Anmerkungen zum Fake:

Der VEREIN wird nach einer Ausgliederung von Investoren gesteuert. Diese Aussage ist auf dem Papier betrachtet tatsächlich falsch. Der Verein wird nach einer Ausgliederung NICHT von Investoren gesteuert. Der VEREIN wird immer von den Vereinsmitgliedern gesteuert. Der Verein lagert jedoch bei einer Ausgliederung die Fußballabteilung in eine Kapitalgesellschaft aus. Insofern interessiert die VfB-Mitglieder gar nicht, wer den Verein steuert sondern interessant ist, wer die Kapitalgesellschaft steuert. Und diese Kapitalgesellschaft wird nicht vom Verein, sondern vom Vorstand der Kapitalgesellschaft gesteuert. § 76 Abs. 1 Aktiengesetz (AktG; Gesetz zur Organisation einer AG) sagt dazu: Der Vorstand hat unter eigener Verantwortung die Gesellschaft zu leiten. Anders als der Vereinspräsident wird der Vorstand nicht von den Vereinsmitgliedern gewählt.

Der Investor ist Aktionär der Gesellschaft. Genau wie der VEREIN VfB Stuttgart e.V. auch. Beide Aktionäre werden voraussichtlich Mitglieder in den Aufsichtsrat versenden. Bei Beschlussfassungen des Aufsichtsrats hat jedes Aufsichtsratsmitglied 1 Stimme, unabhängig von der Anzahl seiner Anteile (Aktien).

Anmerkungen zum Fakt:

Der VEREIN hat mit mindestens 75,1% der Anteile auch in Zukunft immer das alleinige Sagen. Gemeint ist hier wohl der Anteil an der ausgegliederten Kapitalgesellschaft. Richtig ist, dass bei Beschlüssen auf der Hauptversammlung der AG das Stimmrecht abhängig von der Anzahl der Anteile ist. Hier hätte der Vertreter des VfB Stuttgart e.V. weiterhin die absolute Mehrheit. Ausnahmsweise verweise ich an dieser Stelle mal auf wikipedia.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hauptversammlung

Die denkbaren Beschlüsse auf dieser Hauptversammlung sind Dinge wie die Auflösung der Gesellschaft und Satzungsänderungen. Das heißt, der Verein kann ohne Zustimmung des Investors die VfB Stuttgart AG auflösen oder deren Satzung ändern. Nur: welchen praktischen Nutzen hat dies?

Der Verein kann nicht die Politik der AG bestimmen. Dies ist Aufgabe des bestellten Vorstands!

Fazit: die Aussagen des VfB sind (wohlwollend) missverständlich formuliert.

fakefakt3

Fake: Mit der Ausgliederung werden die Mitgliederrechte abgeschafft.

Fakt: Die Stimme der Mitglieder bleibt entscheidend und wird durch die vorgeschlagenen Satzungsänderungen direkter.

Anmerkungen zum Fake:

Mit der Ausgliederung werden die Mitgliederrechte abgeschafft. Diese Aussage ist tatsächlich falsch. Die Mitglieder des Vereins haben weiterhin die gleichen Rechte wie bisher. Wie bisher auch sind diese Rechte jedoch auf den Verein beschränkt und gelten nicht für die Tochtergesellschaften (derzeit z.B. Marketing GmbH etc.). Im Unterschied zu vorher wird jedoch die Fußballabteilung nicht mehr Teil des Vereins sein, sondern Teil einer Tochtergesellschaft. Die Mitglieder behalten also ihre Rechte am Verein, nur sie haben nicht mehr viel davon.

Der FSV Mainz 05 hat zur Information seiner Mitglieder diverse Steuerberater und Fachanwälte beauftragt, Fragen zu beantworten. Im Gutachtenstil beschäftigen diese sich mit Vor- und Nachteilen. Link. Darin heißt es seitens der Anwälte unter anderem:

„Jede Ausgliederung führt zu einer Verringerung der Einflussmöglichkeiten des Vereins, seiner Organe und Mitglieder auf den Profisport.“

Fake? Fakt!

Anmerkungen zum Fakt:

Welche Satzungsänderungen? Hier erneuere ich den Vorwurf der faktenarmen Diskussion. Solange niemand konkret weiß, was der Verein plant, ist eine Debatte darüber müßig. Unabhängig davon verweise ich auf die Anmerkungen zum Fake, dass die Rechte der Mitglieder künftig noch so umfassend sein können: die Rechte beschränken sich auf den Verein. Die Fußballabteilung ist dann KEIN Teil des Vereins mehr.

Ergänzung vom 14.04.2017:

Uns wurden zwei weitere Fake-Fakten-Grafiken zugespielt, die vom VfB erstellt aber nicht veröffentlicht sind. Erläuterungen hierzu werde ich erst in den nächsten Tagen vornehmen, da ich der Veröffentlichung durch den VfB nicht vorgreifen möchte.

fakefakt2

fakefakt4

Advertisements