Bayern München. (K)Ein Vorbild?

Im Zuge der Vereinsentwicklung beim VfB Stuttgart e.V. fällt häufig der Wunsch, es genauso wie der süddeutsche Rivale mit seiner ausgegliederten AG zu machen. Der VfB-Blog zeigt deshalb, wie die Ausgliederung bei den Münchnern gelaufen ist und – da Mitbestimmung nicht erst seit der Zukunftswerkstatt ein zentrales Thema ist – was die Mitglieder des e.V. noch zu melden haben:

Das Modell des FC Bayern München gilt den Verantwortlichen des VfB Stuttgart als Vorbild. Die FC Bayern München Aktiengesellschaft ist der erfolgreichste Fußballclub in Deutschland, dazu einer der erfolgreichsten und wirtschaftlich stärksten der Welt. Der FC Bayern München e.V. ist der mitgliederstärkste Verein der Welt.

Seit 1998 haben Bundesligisten die Möglichkeit, als Kapitalgesellschaft am Spielbetrieb teilzunehmen. Schon 1996 wurden in München die Rahmenbedingungen geschaffen um für diesen Fall vorbereitet zu sein. Die Ausgliederung selbst erfolgte dann 2002.

http://www.rp-online.de/sport/fussball/fc-bayern-ag-ist-perfekt-aid-1.1673503

„Die neue „Bayern-AG“ ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des FC Bayern München e.V. Drei Viertel der anwesenden Mitglieder mussten für die Umstrukturierung stimmen, 1356 Ja-Stimmen standen am Ende 114 Nein-Stimmen und 43 Enthaltungen gegenüber.“

„Allerdings mussten sich Bayern-Präsident Franz Beckenbauer, „Vize“ Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß noch einmal mit einem flammenden Appell für die Umwandlung einsetzen, um die letzten Zweifel zu zerstreuen. Der Klub brauche die AG unbedingt, um das neue Stadion zu finanzieren, erklärten die drei Bayern-Bosse.“

Zu diesem Zeitpunkt war Bayern amtierender Champions-League- und Weltpokalsieger. Kurz darauf beteiligte sich Adidas mit 77 Millionen Euro und erwarb zehn Prozent.

Eine offizielle Ankündigung über den Erwerb veröffentlichte Adidas dabei bereits Monate vor der von den Mitgliedern beschlossenen Ausgliederung.

http://www.adidas-group.com/de/pressroom/archive/2001/2001-13.aspx

„Die adidas-Salomon AG beabsichtigt, 10% Anteile an der noch zu gründenden FC Bayern München AG zu erwerben.“

Daneben setzt der FC Bayern auf sogenannte strategische Partnerschaften, die es unter anderem mit UniCredit und Microsoft gibt.

„Strategische Partnerschaft: HypoVereinsbank wird neuer exklusiver Finanz-Partner des FC Bayern München“

„FC Bayern und Microsoft schließen strategische Partnerschaft“

Interessant dabei ist vor allem, dass bspw. die Bank nicht nur Sponsor ist.

http://www.pressrelations.de/new/standard/result_main.cfm?pfach=1&n_firmanr_=731&sektor=pm&detail=1&r=127589&sid=&aktion=jour_pm&quelle=0

„Die HVB erwirbt Markenrechte zur Verwendung des Bayern-Logos für Finanzprodukte.“

Exkurs: Der VfB Stuttgart möchte strategische Partner als Investoren gewinnen. Der FC Bayern hat strategische Partner als Sponsoren. Ein strategischer Partner kann Investor sein, muss es aber nicht. Die strategische Partnerschaft wird in Wirtschaftslexika als strukturierte Zusammenarbeit definiert.

http://www.onpulson.de/lexikon/strategische-partnerschaft/

Strukur des FC Bayern München

18 Bayern Struktur

Anmerkung: Die Telekom ist Hauptsponsor, zu UniCredit gehört die oben zitierte Hypovereinsbank HVB.

Anteile an der FC Bayern München AG halten der e.V. (75,01 Prozent) sowie Audi, Allianz und Adidas (jeweils 8,33 Prozent). Der Aufsichtsrat besteht aus 9 Mitgliedern, davon stellt 2 der e.V. (u.a. den AR-Vorsitzenden), 1 Mitglied wird vom Verwaltungsbeirat gestellt. Die weiteren Mitglieder sind Vertreter von Adidas, Allianz, Audi (jeweils 1), dazu ein Vertreter des Hauptsponsors Telekom, ein Vertreter des strategischen Partners UniCredit und Martin Winterkorn als ehemaliger Vorsitzender der Audi-Konzernmutter VW.

Die Aufgaben des Verwaltungsbeirats und des Ehrenrats sind in der Satzung des e.V. definiert. Der Verwaltungsbeirat wird vom Präsidium des e.V. berufen. Der Verwaltungsbeirat schlägt der Mitgliederversammlung des e.V. die wählbaren Präsidiumsmitglieder vor. Der Verwaltungsbeirat berät die Vereinsführung und muss Kapitalerhöhungen der AG ebenso zustimmen wie dem Verkauf von Anteilen durch den Verein, sofern der Verein dadurch Stimmrechte verliert. Aufgabe des Ehrenrates ist die Befriedung bei Vereinsstreitigkeiten. Der Ehrenrat wird von der Mitgliederversammlung gewählt, Wahlvorschläge kommen von der Vereinsführung.

Anmerkungen: Die FC Bayern München AG hat eine Vielzahl von Abteilungen. Besonders ist, dass eine Reihe von Ex-Profis in verantwortlicher Position einbe-zogen sind. Ebenfalls mit Führungspositionen betraut ist bspw. Benjamin Hoeneß, der Sohn von Dieter Hoeneß. Die Vorstands-Assistentin von Matthias Sammer heißt Sonja Gaudino und ist die Ehefrau von Maurizio Gaudino.

Ausgliederung und Anteilsverkauf

Die geplante Ausgliederung wurde bereits 1996 vorbereitet und damit zwei Jahre vor der Entscheidung darüber, dass Kapitalgesellschaften überhaupt am Spielbetrieb der Bundesliga teilnehmen dürfen. Die Umsetzung erfolgte erst später. Der erste Anteilsverkauf wurde in einer sportlichen Sternstunde des Vereins vorgenommen. Zum damaligen Zeitpunkt 2002 war der FC Bayern CL-Sieger und Weltpokalsieger.

Den Mitgliedern des Vereins wurde angekündigt, dass die Einnahmen aus dem Anteilsverkauf „nicht in Beine, sondern in Steine“ investiert werden. Konkret wurde damit der Bau eines eigenen Stadions finanziert.

Der Baubeginn des Stadions erfolgte rund zehn Monate nach der Ausgliederung. Bauherr und Eigentümer der Arena ist die 2001 gegründete Allianz Arena München Stadion GmbH, eine 100%ige Tochter der FC Bayern München AG. Die Baukosten des Stadions lagen bei 286 Mio. Euro.

Entwicklung vor und nach der Ausgliederung

Der sportliche Erfolg des FC Bayern München ist nicht weiter erwähnenswert. Durch den Verkauf von 25 Prozent an der AG wurden Einnahmen von insgesamt rund 277 Mio. Euro erzielt. Der Bau des Stadions konnte und wurde dadurch beinahe vollständig finanziert. Die Einnahmen aus dem Stadion mit einer Kapazität von 75.000 Zuschauern fließen vollständig dem FC Bayern zu. Zum Vergleich: laut Stadionwelt geben Bundesligisten im Schnitt rund 4,5 Mio. Euro für Stadionmieten aus (Stand: Mai 2015), Spitzenreiter ist Eintracht Frankfurt mit 9 Mio. Euro.

http://www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?head=Stadionmiete-Nichts-ist-usonst&folder=sites&site=news_detail&news_id=12079&gal_id=108&bild_nr=1

Andere Vereine bezahlen noch jahrelang Kreditraten ab. Der FC Bayern kann dieses Geld in die Mannschaft stecken. (Anmerkung: das Neckarstadion gehört nicht dem VfB, er kann es auch nicht käuflich erwerben. Siehe an anderer Stelle im VfB-Blog.)

Interessant auch:

Alle drei Investoren halten 8,33 Prozent am FC Bayern. Der Ersteinstieg von Adidas kostete 77 Mio. Euro, zuletzt bezahlte die Allianz 110 Mio. Euro. Dies entspricht einem Gesamtwert der AG von 110/8,33*100 = 1,3 Mrd. Euro.

Laut Ranking des Magazins Forbes lag der Wert des FC Bayern im Mai 2015 bei etwa 2 Mrd. Euro.

http://www.tz.de/sport/fc-bayern/forbes-liste-fc-bayern-muenchen-ueber-zwei-milliarden-euro-wert-4983905.html

Entsprechend würden 8,33 Prozent am FC Bayern nunmehr 166 Mio. Euro kosten respektive dem Club einbringen.

Einfluss des e.V. auf die Kapitalgesellschaft

Der Präsident des e.V. ist ebenso wie der Vizepräsident im Aufsichtsrat der AG vertreten. Der e.V. hält damit 75 Prozent der Anteile und stellt 2 von 9 Mitgliedern des Aufsichtsrats = 22 Prozent. Damit ist der Einfluss erschöpfend aufgezählt.

Die Mitgliederversammlung des e.V.

Die letzte Mitgliederversammlung des FC Bayern datiert vom 27.11.2015. Von 270.329 Mitgliedern waren 2.590 Mitglieder anwesend. Dies entspricht einer Beteiligung von deutlich unter 1 Prozent.

Auszüge aus dem Liveticker der „tz“:

http://www.tz.de/sport/fc-bayern/live-ticker-fc-bayern-muenchen-laedt-jahreshauptversammlung-2015-5902462.html

19.00 Uhr – Beginn
19.08 Uhr – nach einer Einführung berichtet der Vizepräsident

„Vizepräsident Dieter Mayer darf mit seinem Bericht anfangen. Er erklärt noch einmal die Notwendigkeit des Blicks auf den gesamten Verein, auch wenn „Die Profis natürlich mehr Strahlkraft haben.““

Es folgen Ausführungen zu den einzelnen Abteilungen Schiedsrichter, Seniorenfußball, Kegelabteilung, Tischtennis, Handball und Schach.

19.23 Uhr – es berichtet nun der andere Vizepräsident

„Jetzt ist Vizepräsident Rudolf Scheels an der Reihe. Er wird über die Basketballer und ein paar Zahlen referieren. Er verspricht bei letzterem auch ein wenig Spannung. Vorher erklärt er aber noch das Prozedere.

Die Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge sind kräftig gestiegen. Das liegt natürlich vor allem an der steigenden Mitgliederzahl, dazu später mehr. Scheels dankt allen Mitgliedern für ihre Treue und referiert weiter über wirtschaftliche Ergebnisse, welche bei dem FC Bayern wenig überraschend weiter gut aussehen. Der Überschuss beträgt insgesamt 11,304 Millionen Euro im e.V. Dieses Geld wird komplett in das Nachwuchsgelände im Münchner Norden investiert.“

19.43 Uhr – der Präsident berichtet

Themen:

19.43 bis 19.50 Uhr: das neue Nachwuchsleistungszentrum, welches vom e.V. gebaut wird.

19.50 bis 19.51 Uhr: Bericht über die Aufsichtsratssitzung der FC Bayern AG (der Präsident des e.V. ist Aufsichtsratsvorsitzender).

19.52 Uhr: Bericht über die neuen Mitgliedskarten

„Über 43.000 Mitglieder machten mit bei der Abstimmung für das Design der Mitgliedskarten mit. „Ich glaube das ist auch eine Form der Mitbestimmung. Deshalb werden wir auch für die nächste Saison wieder so eine Abstimmung durchführen.““

Anmerkung: der Bericht über die neuen Mitgliedskarten dauerte mit 2 Minuten doppelt so lange wie der Bericht über die Fußball AG.

19.54 Uhr: Bericht über das Mitgliedermagazin

„Für die Mitglieder gibt es das Bayern-Magazin in Zukunft auch als e-Paper. „Ein wichtiger Schritt im digitalen Zeitalter.“ Neben den Papierkosten natürlich. Es ist spätestens ein Tag vor Spielbeginn verfügbar. Die Einsparungen bei den Versandkosten werden direkt an die Mitglieder weitergegeben: Zehn Euro weniger Mitgliedsbeitrag. Das ist doch mal was. Auch dazu gibt es einen kurzen Video-Einspieler, gefolgt von Applaus.“

20.00 Uhr – es folgen Ehrungen

20.12 Uhr – Bericht des Wirtschaftsprüfers

Die Mitglieder wählen den Wirtschaftsprüfer für das folgende Jahr.

20.23 Uhr – der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern AG tritt ans Mikrofon und hält eine knapp einstündige Rede über die sportliche Situation. Schwerpunkt ist der Abschied von Abgängen und die Vorstellung von Neuzugängen. Anschließend berichtet der Finanzvorstand der AG über wesentliche Kennzahlen der Fußball AG.

21.50 – es folgt die Aussprache der Mitglieder

22.43 – Ende

Beurteilung

Der FC Bayern München ist die bestimmende Marke des deutschen Profifußballs. Alleine durch eine Ausgliederung sind die finanziellen Mittel nicht zu generieren die notwendig sind, um mit dem FC Bayern München wieder auf Augenhöhe zu kommen. Der FC Bayern München hat die Anteile an seiner AG zu einem Zeitpunkt des maximalen sportlichen Erfolges verkauft und mit den Einmaleinnahmen nicht den Kader, sondern die Infrastruktur (Stadion) gestärkt. Die daraus erzielten laufenden Einnahmen werden wiederum zur Stärkung der sportlichen Substanz verwendet. Insofern wird nachhaltig gewirtschaftet.

Mitspracherechte der Mitglieder an der FC Bayern München AG gibt es nicht. Stattdessen wird unter den Mitgliedern über die Optik der Mitgliedsausweise abgestimmt. Der Präsident lobt dies als Form der Mitbestimmung.

Inwiefern die diesbezügliche Entwicklung beim FC Bayern zu den Wünschen und Anregungen der VfB-Mitglieder insbesondere aus der Zukunftswerkstatt passt werden wir nochmals beleuchten. Gebt uns dafür noch ein wenig Zeit.

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