Mitgliedermeinung. Leserbrief 06.03.

Der VfB-Blog ist noch relativ neu, wir bekommen viel Lob, auch Kritik, Fragen und heute einen Leserbrief, für den wir eine Leseempfehlung aussprechen. Der Brief ging per Mail ein, der Verfasser ist uns damit bekannt. Aus Datenschutzgründen werden seine Angaben vertraulich behandelt, er möchte selbst Gegengeradenbruddler (des können Sie ruhig so schreiben) genannt werden und ist mit der Veröffentlichung einverstanden.

[Anmerkung: Seine Anrede, Einleitung und ein paar Worte an uns haben wir weggelassen.]

Gegengeradenbruddler schreibt am 6. März 2016:

Vereinsentwicklung VfB – mein persönliches  Zwischenfazit

Mit großem Aufwand betreibt die Vereinsführung des VfB das Projekt „Vereinsentwicklung“. Nach Regionalversammlungen in fast jedem Winkel Württembergs fand am Sonntag, 28.2. die zentrale Zukunftswerkstatt in der Schleyerhalle statt. Für mich der richtige Zeitpunkt für ein ganz subjektives Fazit.

Zu Beginn des Prozess „Vereinsentwicklung“ wurden mittels persönlicher Interviews und einer Online Befragung Teile der Mitgliedschaft um Ihre Einschätzung zur Lage des Vereins gefragt. Die Ergebnisse wurden als Diskussionsgrundlage für die erste Runde der Regionalversammlungen verwendet.

Wesentliches Ergebnis war, dass in der Mitgliedschaft des VfB ein tiefsitzendes Misstrauen gegenüber den handelnden Personen herrscht. Für mich war das alles andere als überraschend, denn es deckt sich sehr gut mit meinen persönlichen Empfindungen.

Dieses Misstrauen artikuliert sich regelmäßig in Nichtentlastung der Gremien auf der Mitgliederversammlung, in verbalen Unmutsbekundungen im Stadion oder dass sich die Leute schlicht vom Verein abwenden und nicht mehr ins Stadion gehen.

Der Ursprung des Misstrauens hat meiner Meinung nach zwei Gründe. Natürlich ist in erster Linie der sportliche Misserfolg zu nennen, der für Wut und Enttäuschung in der Anhängerschaft sorgt. Wer verliert hat wenig Argumente. Doch die sportliche Entwicklung ist nur ein Teil der Medaille. Der andere Teil ist in meinen Augen in der denkwürdigen Mitgliederversammlung 2011 zu suchen, die für tiefe Gräben und einen nachhaltigen Vertrauensverlust gesorgt hat. Die damaligen Vorkommnisse wurden nie aufgearbeitet und somit auch nie überwunden. Zur Erinnerung: Der damalige AR-Vorsitzende Dieter Hundt hat in Gutsherrenart seinen Kandidaten Gerd E. Mäuser nominiert und durch Einschüchterung und Angstkampagnen mit denkbar knapper Mehrheit wählen lassen. Trotz Abwahlantrag, der zwar eine Mehrheit fand, aber eben nicht das notwendige Quorum. Hundt blieb und mit ihm Mäuser. Wohin dieser Mann den Verein führte ist bekannt… Dieter Hundt wurde im Vorfeld der Mitgliederversammlung 2013 vom restlichen AR zum Rücktritt gedrängt, da auf der anstehenden Mitgliederversammlung die Abwahl des gesamten Aufsichtsrats drohte.

Dieter Hundt war Aufsichtsratsvorsitzender des VfB Stuttgart e.V. und somit der satzungsgemäßen Kontrolle der VfB-Vereinsmitglieder unterstellt. Wagen wir nun das Gedankenspiel, dass Dieter Hundt in der nun geplanten Struktur mit seinen Allgaierwerken Anteile an der VfB Fußball AG erworben hätte und im Aufsichtsrat der VfB AG gewesen wäre. Die Mitglieder des VfB e.V. hätten ihn nicht stoppen können und Gerd E. Mäuser wäre vielleicht immer noch Vorstand der Fußball AG…

Alles hypothetisch? Kann in der neuen AG nicht passieren? Die Investoren wollen ja auch Erfolg? Möglich, ja. Aber eben nicht ausgeschlossen. Auch bei Hannover 96 und dem HSV gibt es Investoren aus der „heimischen Wirtschaft“, die leider nicht nur den sportlichen Erfolg der Bundesligamannschaft im Sinn haben, sondern als Alphamännchen und Wirtschaftskapitäne am liebsten „aktiv mitgestalten“ wollen. Und wer kann ausschließen, dass ein Herr Jenner oder andere nicht zum „Martin Kind“ von Stuttgart mutieren…

Ich persönlich glaube, dass diese „Machtfrage“ der eigentliche Grund für die Ausgliederungspläne sind. Der Aufsichtsrat des VfB ist seit 2002 exklusiv mit Vertretern der „regionalen Wirtschaft“ besetzt. Diese bestimmen somit bereits den Kurs des Vereins in wesentlichem Maße. Nicht durch den oft zitierten „Eingriff in das operative Geschäft“, aber durch Personalpolitik (Auswahl des Präsidenten) und Budgetfreigabe.

In der vom VfB vorgeschlagenen Ausgliederung wird dieser Zustand zementiert, denn die Aufsichtsräte der AG entziehen sich der Kontrolle der Mitgliederversammlung des e.V. In meinen Augen sind die Vereinsmitglieder Ihrer Verantwortung und Kontrollfunktion in den vergangenen Jahren in vorbildlicher Weise gerecht geworden. Ich sehe keinen Grund, dass sich dies ändern sollte. Ich werde deshalb am 17.07. auf alle Fälle mit NEIN stimmen! Zum Wohle und Erfolg des VfB Stuttgart!

Advertisements