Die Zukunftswerkstatt. Ein Rückblick.

Am vergangenen Sonntag (28. Februar 2016) fand die Zukunftswerkstatt statt, welche nach den elf Regionalversammlungen die nächste Veranstaltung zum Thema Vereinsentwicklung war. Teilgenommen haben etwa 750 Vereinsmitglieder.

Die Diskussion fand an runden Tischen statt, insgesamt mehr als 100 Stück. An jedem Tisch gab es einen vorab eingeteilten Moderator. Die Moderatoren setzten sich aus Angestellten des VfB, aus Mitgliedern des VfB-Freundeskreises und aus diversen weiteren Mitgliedern zusammen. Deren persönliche Meinung floss ebenfalls in die Diskussionen mit ein. Allen Teilnehmern wurden vorab sieben verschiedene Tische zugeordnet, an denen in insgesamt sieben Runden zu verschiedenen Themen diskutiert wurde. Nach jeder Diskussionsrunde wurden die Tische gewechselt.

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Fotoquelle: Stuttgarter Nachrichten.

Jeweils zwei Tischrunden beschäftigten sich mit dem Thema Leitbild/Kultur, wirtschaftliche Basis und Mitgliederrechte.

Runde 1: Wie können die Werte des VfB Stuttgart für uns Mitglieder erlebbar werden?

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Fotoquelle: VfB Stuttgart.

Runde 2: Wie schaffen wir eine Kultur, mit der sich alle Mitglieder der VfB-Familie wohlfühlen?
Runde 3: Welche wirtschaftliche Basis braucht der VfB?
Runde 4: Wie kann eine wirtschaftliche Basis nachhaltig geschaffen werden?
– Pause –
Runde 5: Welche Voraussetzungen benötigen wir, damit der VfB weiterhin „unser Verein“ bleibt?
Runde 6: Wie können die Rechte der Mitglieder gestärkt werden?

Nach jeder Runde wurde von den Tischen ein Statement der in der Diskussion entstandenen Meinung an den VfB abgegeben. In der siebten Runde konnte jeder Tisch einen Handlungsauftrag an den VfB abgeben.

Die meisten Diskussionen drehten sich wie erwartet um das Thema Ausgliederung. Eine klare Tendenz pro Ausgliederung konnte nicht erkannt werden. Aus den Rückmeldungen verschiedener Teilnehmer durfte eher das Gegenteil geschlossen werden. Die zitierenden Medien waren sich insofern uneins.

Den von uns befragten Anwesenden fiel auf, dass sich die meisten Teilnehmer, wie schon bei den Regionalversammlungen, nicht ausreichend vom VfB zum Thema informiert fühlten. Erneut hat der VfB Stuttgart keine genaueren Informationen zum Für und vor allem zum Wider der Ausgliederung vorgelegt.

Zwischen den einzelnen Runden gab es vom VfB Stuttgart vorbereitete Videosequenzen zu sehen. Etwas überraschend war, dass die Videobeiträge fast ausnahmslos die Ausgliederungspläne des VfB bewarben. Die im Vorfeld unter anderem von Bernd Wahler und Rainer Mutschler kommunizierte ergebnisoffene Diskussion wurde so konterkariert.

Ebenfalls wurden zwischen den Diskussionsrunden Interviews u.a. mit Aufsichtsräten des VfB geführt. Auch hierbei wurde kräftig die Werbetrommel für die Ausgliederung gerührt.

Weiterhin fiel auf, dass viele Moderatoren mit ihrer Meinung sehr nahe an den Vorstellungen des Vereins lagen und so versuchten, die Diskussionen in eben diese Richtungen zu lenken.

Insofern entstand bei anwesenden Mitgliedern der Eindruck, als sollten sie von der vom VfB Stuttgart vorgeschlagenen Variante der „Vereinsentwicklung“ im Sinne einer Ausgliederung überzeugt werden. Damit war zu rechnen, es entspricht dennoch nicht den vorgegebenen Spielregeln.

Zwei Fragestellungen der Diskussionsrunden blieben Teilnehmern besonders im Gedächtnis:

Zum einen war das die Frage, wie die Mitgliederrechte weiter gestärkt werden können.

Der VfB geht demnach weiter davon aus, dass die Mitgliederrechte im vorgeschlagenen Ausgliederungsmodell gestärkt werden. Der VfB-Blog hat bereits festgestellt, dass dem nicht so ist.

Mitgliederrechte laufen ins Leere, wenn der e.V. die Fußballabteilung ausgliedert. Sie können deshalb nur gestärkt werden, wenn eine Ausgliederung abgelehnt wird. In den Diskussionsrunden wurden auf Grundlage dessen viele Vorschläge zur Verbesserung der Mitgliederrechte vorgebracht, u.a.:

– mindestens zwei Kandidaten müssen bei der Präsidentenwahl zur Auswahl stehen
– der bestehende Kreislauf aus Ehrenrat, Aufsichtsrat und Präsidium muss aufgelöst werden
– Mitglieder sollen das Recht bekommen, Kandidaten für Vorstand und Aufsichtsrat vorschlagen zu können
– Im Aufsichtsrat sollten nicht nur Vertreter aus der Wirtschaft sitzen.

Die zweite Fragestellung war, welche wirtschaftliche Basis der VfB braucht.

Hier wurde den Mitgliedern suggeriert, dass die jetzige wirtschaftliche Basis nicht gut ist. Dieser Meinung konnten sich viele Teilnehmer nicht anschließen. Der VfB-Blog hat auch hierzu bereits eine Ausarbeitung erstellt. Betrachtet man dabei die nackten Zahlen, stellt man fest, dass unsere wirtschaftliche Basis viel besser ist als behauptet wird.

Siehe dazu auch „Die Probleme des VfB Stuttgart im Kontext des Profifußballs“

Momentan liegt der VfB Stuttgart mit seinem Umsatz verglichen mit den anderen Bundesligisten zwischen Platz 7 und Platz 8, zumindest aber vor acht Kapitalgesellschaften, welche alle zwischen 2000 und 2007 ausgegliedert haben. Die meisten davon haben einen nicht annähernd so hohen Umsatz wie der VfB Stuttgart e.V.

Vielen war unklar, warum sich mit einer Ausgliederung der Umsatz im Vergleich zu einem e.V. verbessern soll. Teilweise wurde offen darüber diskutiert, wohin das ganze Geld des VfB verschwindet. Zu hohe Ausgaben statt zu geringer Einnahmen war eine der aufgekommenen Fragestellungen.

Viele Mitglieder verließen die Zukunftswerkstatt mit Zweifeln, wie ergebnisoffen die Vereinsentwicklung tatsächlich sein soll.

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