Würdigung Punkt „Einfluss des e.V. auf die Kapitalgesellschaft“

Der VfB Stuttgart 1893 e.V. soll zumindest vorläufig mindestens 75,1 Prozent der Anteile an der VfB Stuttgart 1893 AG halten. Der Präsident des e.V. soll den Aufsichtsrat der AG anführen. Insgesamt soll der Aufsichtsrat aus neun bis zwölf Mitgliedern bestehen, von denen zwei Mitglieder der e.V. stellen soll.

Der Vorstand der AG ist von der AG festangestellt. Er wird berufen, nicht gewählt. Nach § 76 I AktG leitet der Vorstand die Gesellschaft und ist dafür verantwortlich. Die eigenverantwortliche Leitung unterscheidet den Vorstand einer AG vom Geschäftsführer einer GmbH.

Der Geschäftsführer einer GmbH unterliegt einer Weisungsbefugnis der GmbH-Gesellschafter (§ 37 I GmbHG), während der Vorstand einer AG keiner Weisungsbefugnis der Aktionäre, sondern lediglich einer Kontrolle durch den Aufsichtsrat unterliegt.

Insofern kann der e.V. nur bedingt Einfluss auf die AG ausüben. Er kann beeinflussen, ob eine – laut VfB Stuttgart nicht zur Diskussion stehende – Gewinnausschüttung erfolgt oder nicht. Der VfB Stuttgart legt Wert auf die Feststellung, dass zumindest vorläufig maximal 24,9 Prozent der Anteile und damit verbunden 24,9 Prozent der Stimmrechte auf der Hauptversammlung veräußert werden. Das heißt, der e.V. hat auf der Hauptversammlung eine beherrschende Stellung. Die Folge der beherrschenden Stellung ist, dass alle Anträge auf der Hauptversammlung vom e.V. alleine entschieden werden können. Was für Anträge können das sein? Diese Frage gilt es vom VfB Stuttgart zu beantworten.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Rolle des e.V.-Präsidenten, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der AG sein soll. In der Vergangenheit des e.V. war in der Nach-MV-Ära stets der Aufsichtsratsvorsitzende und gerade nicht der Präsident der „starke Mann“. Erinnert sei an Herrn Hundt aber auch an seinen Nachfolger Schmidt. Als problematisch einzustufen ist, dass der bisherige Präsident des VfB Stuttgart ein sehr gut bezahlter Mann aus der Wirtschaft war, während nach der Ausgliederung der Profiabteilung ein hohes Gehalt nicht mehr gerechtfertigt ist, sondern vermutlich der Präsident eher wieder ehrenamtlich tätig sein wird. Wenn wir schon mit einem guten Gehalt keinen „starken“ Präsidenten gefunden haben, werden wir dann ohne Gehalt einen Präsidenten finden, der so stark ist, dass er dem Aufsichtsrat in personeller Unterzahl Paroli bieten kann?

Nachtrag: in Ergänzung der bisherigen Informationen schreibt der VfB Stuttgart am 22. Januar 2016 auf der Internetseite der Vereinsentwicklung zur Frage, warum eine AG die bessere Wahl sei im Vergleich zur KGaA:

„Es gibt zahlreiche Beispiele für erhebliche Streitigkeiten zwischen dem eingetragenen Verein und den Kapitalgebern in als KGaA organisierten Clubs. Am deutlichsten tritt dies bei 1860 München zu Tage, aber auch bei Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld und Alemannia Aachen ist es innerhalb von KGaA-Strukturen zu Streit gekommen. Derartige Konflikte können sich auf das operative Geschäft auswirken und schaden der Außenwirkung des Clubs und damit auch seinen wirtschaftlichen und sportlichen Interessen massiv.

Dies hat aus unserer Sicht vor allem zwei Gründe: Die KGaA wird im Wirtschaftsverkehr außerhalb des Fußballs nur selten genutzt und ist gesetzlich nicht sehr detailliert geregelt. Entsprechend gibt es über nicht gesetzlich geregelte Fragen bislang nur wenig klärende Rechtsprechung und dadurch viel Unsicherheit und Streit über die Rechte und Pflichten aller Beteiligten. Das ist bei der AG wesentlich besser geregelt. Hinzu kommt, dass bei der KGaA ein Ungleichgewicht zwischen Entscheidungsmacht und Kapitalbereitstellung besteht, das für Unzufriedenheit bei Kapitalgebern sorgen kann.

Aus diesen beiden Gründen ist die Rechtsform auch bei Investoren eher unbeliebt und es wäre deshalb erheblich schwerer, Kapitalgeber zu finden. Dies zeigt auch die bislang vergebliche Investorensuche einiger in dieser Rechtsform organisierten Clubs. Im Gegensatz dazu haben in der Bundesliga bisher alle in der Rechtsform der AG organisierten Clubs Investoren gefunden.“

http://forum.vereinsentwicklung.vfb.de/viewtopic.php?f=11&p=139&sid=6b3b135c70a10b6a4d6b54a48c12fc65#p139

Diese Aussage ist widersprüchlich zu an anderen Stellen getätigten Aussagen, dass alle Entscheidungen vom e.V. getroffen werden. Warum sind Investoren einer KGaA unzufrieden darüber, dass sie nicht mitreden dürfen, wenn sie in der AG auch nicht mitreden dürfen? Die Antwort des VfB Stuttgart müsste insofern präzisiert werden.

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