Stärkere Mitgliederrechte nach der Ausgliederung?

Am Sonntag wird gearbeitet – Zukunftswerkstatt! Sowohl auf den Regionalversammlungen als auch in der Infobroschüre zur Zukunftswerkstatt wird vom VfB behauptet, dass die Mitgliederrechte durch die Ausgliederung gestärkt werden.

„Die Rechte der Mitglieder im Verein werden bei der geplanten Strukturänderung gestärkt.“

http://epaper.vfb.de/sonstiges/201602_Information_Zukunfts-Werkstatt/#/10

Um diesen Punkt zu beleuchten, ist ein Vergleich mit den jetzigen Mitgliederrechten nötig.

Aktuell können die Mitglieder des VfB Stuttgart 1893 e.V. durch Wahl auf der Mitgliederversammlung direkt den vom Aufsichtsrat vorgeschlagenen Präsidenten, den vom Präsidenten vorgeschlagenen Ehrenrat und den vom Ehrenrat vorgeschlagenen Aufsichtsrat wählen.

Nach der Ausgliederung müssen sich die Mitglieder bei Wahlen von Vorstand und Aufsichtsrat durch das Präsidium vertreten lassen. Ein direkter Einfluss ist nicht mehr möglich.

Der Aufsichtsrat soll in Zukunft von der Hauptversammlung der AG gewählt werden. In der Hauptversammlung sitzen Vertreter der Kapitalgeber und des Präsidiums des e.V. Rein theoretisch könnte das Präsidium hier mit seinem Stimmanteil von 75,1% alle Entscheidungen im Alleingang treffen. Wahrscheinlich ist aber eher, dass die Vertreter der Kapitalgeber hier Druck auf das Präsidium ausüben und so ihre bevorzugten Kandidaten in den Aufsichtsrat bringen und Entscheidungen zugunsten der Kapitalgeber beeinflussen.

Der zukünftige Aufsichtsrat bestellt den Vorstand und beruft diesen ab. Auch hier vertritt das Präsidium des e.V. die Mitglieder, aber auch hier ist eine ernsthafte Einflussnahme sehr unwahrscheinlich.

Entlastungen können ebenfalls nicht mehr von den Mitgliedern vorgenommen werden. Nach der Ausgliederung werden Vorstand und Aufsichtsrat von der Hauptversammlung entlastet. Einen Beschluss der Mitgliederversammlung auf Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, an den das Präsidium des e.V. gebunden ist, darf die Mitgliederversammlung nicht fassen.

Die Wahl des Präsidiums des e.V. als solches ist ebenfalls zu kritisieren. Das Präsidium wird von einem Vereinsbeirat (ähnlich dem jetzigen Ehrenrat) vorgeschlagen und von der Mitgliederversammlung gewählt werden. Mit dem Vereinsbeirat schafft der VfB wieder eine Menge kleiner Pöstchen, in denen sich ausgewählte Personen öffentlichkeitswirksam profilieren können.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Mitglieder ihren direkten Einfluss auf die handelnden Personen verlieren. Der Einfluss findet nur noch indirekt über das Präsidium des weiter bestehenden e.V. statt, von dem sich die Mitglieder vertreten lassen müssen.

Bei aller Kritik am jetzigen System der Vetternwirtschaft, in welchem der Ehrenrat den Aufsichtsrat vorschlägt, der Aufsichtsrat den Präsidenten vorschlägt, der Präsident wiederum den Ehrenrat vorschlägt und die Mitglieder lediglich mit ja oder nein wählen können bzw. die jeweiligen Personen entlasten oder nicht entlasten, werden die Mitgliederrechte durch die Ausgliederung nicht gestärkt, sondern drastisch minimiert.

In der Vergangenheit haben die Mitglieder mehrfach bewiesen, dass sie ein sehr gutes Gespür  haben, was gut für den Verein ist. Dieses Vertrauen kann man ruhigen Gewissens auch in Zukunft den mündigen Mitglieder unseres Vereins geben. Es ist an der Zeit, dass wir den Verein entwickeln! Am Sonntag auf der Zukunftswerkstatt können wir den ersten Schritt machen.

PS: Herzlich willkommen beim VfB-Blog!

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