Würdigung Punkt „Vereinsentwicklung“

Vereinsentwicklung geht über die bloße Neustrukturierung eines Konzerns hinaus. Insgesamt ist in Frage zu stellen, weshalb zunächst 2014/2015 eine Umstrukturierung des Vorstands und der wesentlichen Abteilungen stattfindet um anschließend das Rad gänzlich neu zu erfinden.

Der VfB Stuttgart versteht unter Vereinsentwicklung die Möglichkeit, mehr Geld zu beschaffen und geht davon aus, dass sich der Verein dann von alleine entwickelt. Vor dem Hintergrund der Misswirtschaft in den vergangenen Jahren (wiederholte Nichtentlastung von Aufsichtsrat und Vorstand bei der Mitgliederversammlung) muss die Frage gestellt werden, ob die Mitglieder unter Vereinsentwicklung etwas anderes, vielleicht sogar mehr verstehen.

Vereinsentwicklung könnte zum Beispiel bedeuten, Prozesse offen zu legen um sie zu verbessern. Der Weg aus der eigenen Jugend in den Profibereich scheint weiterhin lang zu sein. Der Einsatz der vorhandenen Ressourcen scheint im Vergleich zu anderen Bundesligisten nicht optimal zu sein. Warum ist es nicht Teil der Vereinsentwicklung, diese Felder anzugehen?

Teil der Vereinsentwicklung muss zwingend auch der Vergleich zwischen ver-schiedenen Optionen sein. Wie kann es finanziell als e.V. weitergehen? Wohin führt der Weg als e.V.? Wie könnte die Einflussnahme der Mitglieder im e.V. dahingehend verändert werden, dass die Zufriedenheit der Vereinsmitglieder steigt? Ist ein Verein vielleicht dann nicht mehr modern, wenn er Prozesse so weit als möglich intransparent abwickelt und Fehler verschleiert? Wäre eine Ausgliederung gar nicht Thema, wenn sportlicher Erfolg einkehren würde? Diese und zahlreiche weitere Fragen müssen gestellt und beantwortet werden bevor eine Ausgliederung zur Abstimmung kommt.

Essentiell ist darüber hinaus eine Betrachtung, inwiefern eine bessere Kapitalausstattung zum gewünschten Erfolg führen kann. Der VfB Stuttgart schreibt darüber, dass eine höhere Eigenkapitalquote erreicht werden kann, investiert das gewonnene Eigenkapital aber zum größten Teil in den sportlichen Bereich. Aus bilanzieller Sicht muss dabei nicht nur das Jahr 1 nach der Ausgliederung betrachtet werden, sondern auch eine mittel- und langfristige Betrachtung bspw. der Jahre 5 und 10 nach Ausgliederung. Beispiel:

Durch den Verkauf von Anteilen generiert der Verein 30 Mio. Euro Eigenkapital. Das Geld wird vollständig in die Ablösesumme für Spieler A investiert. Bilanziell erhöht sich die Aktivseite = das Vermögen um 30 Millionen Euro. Auf der Passivseite stehen dem Vermögen die Posten gegenüber, die das Vermögen finanziert haben. Der Verein hat den Spieler durch Eigenkapital und nicht durch Fremdkapital finanziert. Das ist positiv. Wenn A einen 3-Jahres-Vertrag unterzeichnet hat, muss die Kapitalgesellschaft (vereinfacht ausgedrückt) jedes Jahr 10 Millionen der Ablösesumme abschreiben. Die Abschreibung reduziert den Gewinn und damit das Eigenkapital. In drei Jahren wechselt A ablösefrei. Das Vermögen ist damit weg, das Eigenkapital auch, da es dreimal in Höhe von 10 Millionen Euro abgeschrieben wurde. Alles ist wie vor der Ausgliederung, nur dass die Kapitalgesellschaft nicht mehr den Vereinsmitgliedern gehört. Diese Option muss vom VfB Stuttgart so erläutert werden, dass sie jedes stimmberechtigte Mitglied auch verstehen kann. Aus den vorliegenden Unterlagen ist dies nicht möglich.

Eine weitere zu klärende Thematik ist die Zukunft des Vereins im Falle einer Ausgliederung. Der derzeitige Vereinspräsident wurde von Adidas abgeworben und verdient laut Medienberichten 500.000 Euro Grundgehalt im Jahr.

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.vfb-stuttgart-sportvorstand-bobic-lobt-designierten-vfb-chef-wahler.4963a5e7-e01e-4f94-b9b1-ed1a07c9ec8f.html

Welche Aufgaben haben der Verein und der Vereinspräsident nach einer erfolgten Ausgliederung? Kann und will sich der Verein dann noch einen ehrenamtlichen Präsidenten für 500.000 Euro leisten? Was werden die Vorstände der Kapitalgesellschaft zusätzlich verdienen?  Wer will Präsident werden, wenn er deutlich weniger Grundgehalt bezieht und inwiefern kann ein günstigerer Präsident die Qualität erhalten, die die Mitglieder des Vereins von ihm einfordern? Da die Mitgliederversammlung nur noch über den Präsidenten im Profifußball mitredet ist ein starker Präsident Voraussetzung. Die logische Folge bei weniger Gehalt wäre dagegen ein schwächerer Präsident. Hierzu macht der VfB Stuttgart keine Angaben.

Im Rahmen der Vereinsentwicklung sollte auch beleuchtet werden, wie andere Vereine und Vereine mit ausgegliederter Kapitalgesellschaft hinsichtlich der Einbindung ihrer Mitglieder vorgehen. Hier unternimmt der VfB Stuttgart keine erkennbaren Anstrengungen. Die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart führt wiederholt zur Nichtentlastung von Aufsichtsrat und Vorstand. Teil der Vereinsentwicklung muss sein, die Gründe hierfür in Erfahrung zu bringen. Sofern es den Mitgliedern an Transparenz fehlt muss Transparenz geschaffen werden. Wie erreichen andere Vereine das Ziel einer Entlastung der Führungsmannschaft? Wie informieren andere Vereine ihre Mitglieder? Hier ist ein Vergleich notwendig um Schwachstellen zu verbessern. Wäre es eine Option, unabhängige Gutachter einzuschalten? Ist es bei anderen Vereinen üblich, dass die Wirtschaftsprüfer auf der Mitgliederversammlung Stellung beziehen und Zusammenhänge erklären? Was fordern die Mitglieder in diesem Zusammenhang? Antworten hierauf sind notwendiger Bestandteil der Vereinsentwicklung.

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