Vom e.V. zur Kapitalgesellschaft.

1998 öffnete der DFB die Tür zur Auslagerung des Profifußballs aus Vereinen heraus in Kapitalgesellschaften. An der Bundesliga dürfen seither nicht mehr nur Vereine teilnehmen, sondern auch Kapitalgesellschaften.

In § 1 der Satzung des Ligaverbandes heißt es dazu in der aktuellen Fassung: „Der  Ligaverband  ist  der  Zusammenschluss  der  lizenzierten  Vereine  und Kapitalgesellschaften der Fußball-Lizenzligen Bundesliga und 2. Bundesliga. Er führt den Namen „Die Liga – Fußballverband“ (Ligaverband) und nach der Eintragung in das Vereinsregister den Namenszusatz „eingetragener Verein“ in der abgekürzten Form „e. V.“.“

http://s.bundesliga.de/assets/doc/660000/656469_original.pdf

Die Strukturreform 1998 wurde vom Spiegel unter anderem mit folgenden Textpassagen bedacht:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8002611.html

„Noch vor fünf Jahren, als der Vorstand von Werder Bremen seine fertigen Pläne zur Ausgliederung des Lizenzspielerbereichs in eine Aktiengesellschaft vorgelegt hatte, wiegelte DFB-Boß Egidius Braun ab: „Die Zeit dafür ist noch nicht reif.““

„So bemüht sich Ajax Amsterdam um eine Mehrheitsbeteiligung am belgischen Erstligisten Germinal Ekeren.“

„Juventus Turin transferierte den Spieler Michele Padovano zu Crystal Palace – verhandelt wurde nicht mehr um eine Ablöse, sondern um eine Zehn-Prozent-Beteiligung an dem Club.“

„“Ohne Mitspracherechte“, versichert Hendrik Hilgert, als Investmentbanker für die Deutsche Bank in London tätig, „legen internationale Investoren, etwa Fonds, kein Geld an.“ Und Franz-Josef Buss, Experte für Aktienemissionen bei der WestLB in Düsseldorf, spöttelt: „Kapital zu beschaffen, ohne entscheidende Stimmrechte einzuräumen, ist wie duschen, ohne naß zu werden.““

„Den Sinn einer 50+1-Vorschrift können manche Fachleute auch aus anderen Gründen nicht nachvollziehen. Schon mit 49,9 Prozent der Anteile, sagt Dietrich Walther, Vorstandsvorsitzender des Emissionshauses Gold-Zack in Mettmann, könne ein Aktionär „Satzungsänderungen blockieren oder den Hauptgesellschafter mit einer Kapitalerhöhung unter Druck setzen“.“

„“Eine Chance auf dem Kapitalmarkt haben nur die Clubs mit einem professionellen Management.““

„Plakativ entwirft Sundermann das Bild vom rendite- und dividendestrotzenden Bundesliga-Club: sauberes Budgetierungssystem vorlegen; Ertragslage langfristig stabilisieren; Wachstumsphantasien entwickeln; das Kapital sinnvoll investieren, nicht in Beine, also noch höhere Spielergehälter, sondern in Steine, also Stadien, Kongreßzentren und Hotels; und vor allem Finanzexperten an der Spitze einsetzen. „Da müssen kühle Kaufleute ran“, fordert Analyst Lockhart, „die den Fußball ohne Emotionen betrachten.““

Bereits 1999 agierten Bayer Leverkusen und Hannover 96, wurden Vorreiter und GmbH bzw. GmbH & Co. KGaA. Im Jahr 2000 folgte Eintracht Frankfurt mit einer AG, so dass bereits von Beginn an ein breites Potpourri an Gesellschaftsformen existierte.

Schon 1996 hatten übrigens die Mitglieder des FC Bayern der Gründung einer AG ebenso zugestimmt wie der Ausgliederung des Profi-Fußballs. Die Voraussetzungen waren damit zwei Jahre vor der Legitimation des DFB geschaffen. Tatsächlich kam es zur Ausgliederung in München dann aber erst 2002.

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