Vereinsentwicklung.

Entgegen der Ankündigung im Vorwort betrachtet der VfB Stuttgart an keiner Stelle eine ergebnisoffene Entwicklung des Vereins. Vielmehr wird von Beginn an eine bessere Eigenkapitalausstattung als alternativlos angesehen und die Ausgliederung als einzig wahrnehmbare Option angepriesen. Eine Vereinsentwicklung selbst ist nur aus dem Name des Dokuments ableitbar.

Unter dem Punkt 1 „Zielsetzung“ wird die Anforderung genauer definiert:

„Dem VfB Stuttgart geht es jetzt um folgende strategische Herausforderung: Die Schaffung von zeitgemäßen Strukturen und Abläufen im Geschäftsbereich Profifußball, die Sicherung der Rechte der Vereinsmitglieder sowie die Optimierung der Wettbewerbsfähigkeit durch eine Verbesserung der Kapitalausstattung des Vereins.“

Anschließend erfolgt ab dem Punkt 2 „Bisher geprüfte Finanzierungsalternativen“ die Befassung mit der Verbesserung der Kapitalausstattung. Strukturen und Abläufe im Geschäftsbereich werden nur dahingehend thematisiert, als dass zur Verbesserung der Kapitalausstattung eine andere Rechtsform vorgeschlagen wird. Auch die Sicherung der Rechte der Vereinsmitglieder wird ausschließlich unter dem Fokus einer geänderten Rechtsform beleuchtet. Insofern ist das alleinige Ziel die Verbesserung der Kapitalausstattung. Inwiefern sich daraus die Wettbewerbsfähigkeit optimiert wird nicht beleuchtet.

Die im Blog unter Basiswissen beschriebene teilweise Kritik in der Literatur an der Rechtsform des e.V. für Fußballbundesligisten wird vom VfB Stuttgart auf Seite 6 erwähnt. Auf ein Für und Wider wird dabei nicht eingegangen, lediglich das Risiko des Verlusts der Gemeinnützigkeit wird erwähnt. Insofern handelt es sich jedoch um zwei rechtlich getrennt zu betrachtende Sachverhalte – der e.V. auf der einen Seite, die Gemeinnützigkeit auf der anderen Seite. Folgerichtig sollte davon ausgegangen werden, dass der Punkt „Verlust des Status als e.V.“ vom VfB Stuttgart geprüft und als nicht weiter erwähnenswert betrachtet wurde. Warum die Gemeinnützigkeit verloren gehen könnte und wie hoch das Risiko ist wird vom Verein nicht erläutert. Ein vergleichbarer Praxisfall findet sich nicht. Insofern ist die praktische Relevanz in Frage zu stellen.

Über die Konsequenzen der vom VfB Stuttgart angedachten Änderungen für den Verein selbst werden nur insofern Angaben gemacht, als dass unter Punkt 5 die neue Konzernstruktur veröffentlicht wird. Dazu wird in wenigen Worten unter Punkt 6 eine Aufteilung von Vermögen zwischen Verein und AG angedeutet. Keine Angaben finden sich bspw. dazu, ob der Präsident des künftigen e.V. weiterhin hauptamtlich oder ehrenamtlich beschäftigt sein wird. Die Höhe des möglichen Gehalts sowie die künftigen Aufgaben des Vereinspräsidenten (tatsächlich anspruchsvolle Aufgaben versus „Grüß-August“) werden Einfluss auf die Qualität des Präsidenten haben.

Eine Würdigung haben wir unter Würdigung Punkt „Vereinsentwicklung“ vorgenommen.

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