Personengesellschaft vs. Kapitalgesellschaft

Im deutschen Gesellschaftsrecht wird zwischen Personengesellschaft und Kapitalgesellschaft unterschieden. Historisch gewachsen bilanzieren und denken deutsche Kaufleute nach einem gewissen Vorsichtsprinzip, die unter Juristen verbreitete Redensart „trau, schau, wem“ heißt nichts anderes als genau hinzusehen, mit wem man seine Geschäfte macht. Gerade eine auf einen längerfristigen Horizont ausgelegte Geschäftsbeziehung macht dann am meisten Sinn, wenn es sichergestellt ist, dass beide Geschäftspartner noch eine gewisse Zeit existieren. Geschäfte mit einem großen Volumen machen dann am meisten Sinn, wenn der Geschäftspartner über eine gewisse Haftungsmasse verfügt. Das heißt: ich verkaufe eher jemandem was bei dem ich weiß, dass er bezahlen kann und ich kaufe eher bei jemandem, bei dem ich weiß, dass ich das Geld zurückbekomme, wenn er nicht anständig liefert.

Bei Personengesellschaften wie auch bei Kapitalgesellschaften haftet jemand oder haftet etwas dafür, dass die Gesellschaft ihren Verpflichtungen nachkommen kann. Bei Personengesellschaften haftet eine „Person“ für die Verpflichtungen, Kapitalgesellschaften haften selbst mit einer Summe an Kapital. Während ich als Geschäftspartner nur bedingt weiß, wieviel Geld eine „Person“ hat, kann ich bei einer Kapitalgesellschaft das Stamm- bzw. Grundkapital in Erfahrung bringen.

Beispiel: die existierende VfB Stuttgart 1893 AG hat ein Grundkapital von 50.000 Euro. Die Höhe kann dem Handelsregister entnommen werden.

http://www.onlinehandelsregister.de/handelsregisterauszug/bw/Stuttgart/V/VfB+Stuttgart+1893+AG/206921

Vereinfacht ausgedrückt: tätige ich Geschäfte mit der VfB Stuttgart 1893 AG, so haftet diese bei Verfehlungen und ich kann (vereinfacht ausgedrückt) mindestens 50.000 Euro bei ihr holen. Tätige ich das selbe Geschäft mit einer Personengesellschaft, so haftet eine Person ggfs. mit ihrem Privatvermögen. Ob die Person noch Privatvermögen hat und wenn ja wieviel ist unbekannt.

Für die Gesellschafter selbst ist eine Kapitalgesellschaft ebenfalls der sicherere Weg. Wer haftet schon gerne mit seinem Privatvermögen. Der eingetragene Verein übrigens haftet mit seinem Vereinsvermögen.

Der Ligaverband der Bundesligisten hat sich, juristisch sinnvoll, darauf verständigt, keine Personengesellschaften am Spielbetrieb teilnehmen zu lassen. Die entsprechenden Gesellschaftsformen kommen für den VfB Stuttgart daher nicht in Frage.

Teilweise stehen Presseberichte dieser Ausgangslage widersprüchlich gegenüber:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.vfb-stuttgart-hoechste-zeit-fuer-die-zukunft.435fe859-be7b-4b23-b497-8edd0e627459.html

5 GmbH u Co KG

Auszug Stuttgarter Zeitung vom 11.09.2013

Die GmbH & Co. KG ist eine Sonderform der Kommanditgesellschaft und damit eine Personengesellschaft, keine Kapitalgesellschaft. Nach § 7 der Satzung des Ligaverbandes dürfen in der Bundesliga nur eingetragene Vereine und Kapitalgesellschaften kicken. Konsequenterweise müsste der Autor der Stuttgarter Zeitung den Lizenzentzug von Bremen, Hertha, Köln und Hannover fordern.

Für den Laien sollte die Quintessenz sein, nicht alles zu glauben, was in der Presse steht. Die Presse sollte sich der Verantwortung bewusst sein und jemand aus der Wirtschaftsredaktion die sportpolitischen Themen Korrektur lesen lassen!

Zum Beweis, dass bspw. Hannover 96 keine GmbH & Co. KG ist:

6 Hannover 96
https://www.hannover96.de/klub-historie/klub/struktur.html

Der Unterschied sieht klein aus, ist aber juristisch bedeutend.

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