Ausgliederung und Anteilsverkauf

Die Unterlage des Vereins basiert auf der Annahme, dass „eine langfristig verbesserte Kapitalausstattung des Vereins“ notwendig ist. An dieser Stelle wird wie im gesamten Dokument unterstellt, dass mit „Verein“ nicht der Verein VfB Stuttgart e.V. gemeint ist, sondern die Profifußballabteilung, welche bei einer Ausgliederung kein Verein, sondern eine Kapitalgesellschaft wäre. Erneut wird dabei deutlich, dass Formulierungsunschärfen zu Missverständnissen führen können.

Der VfB Stuttgart stellt unter Punkt 2 fest, dass Fremdkapitalfinanzierungen den Nachteil haben, dass das Geld zurück bezahlt werden muss und bspw. stille Beteiligungen „im Profifußball überdurchschnittlich verzinst werden“ müssen. Eine Bestätigung dieser Aussage findet sich in diesem Blog bei der Betrachtung des FC Schalke 04. Darüber hinaus wird unterstellt, dass der VfB Stuttgart hinsichtlich stiller Beteiligungen auf die eigene VfB Stuttgart Beteiligungs-GmbH anspielt, siehe ebenfalls das Basiswissen im Blog. Dabei wird die Frage aufgeworfen, wie es mit der VfB Stuttgart Beteiligungs-GmbH nach einer möglichen Ausgliederung weitergeht bzw. welche Rolle die stillen Gesellschafter insgesamt im Konzern einnehmen.

Thematisiert wird vom VfB Stuttgart auch eine Vergabe von Marketingrechten. Diese Option wird verworfen, da Vermarkter hohe Provisionszahlungen erhalten. Zur Darstellung seitens des VfB, dass die Vermarktung bisher „stets in der eigenen Hand gehalten“ wurde wird auf unser Basiswissen verwiesen und auf die Tatsache, dass von 1999 bis 2004 der Vermarkter ISPR Anteile an der VfB Stuttgart Marketing GmbH gehalten hatte.

Kleinanlegermodelle (u.a. Fananleihe, Crowd Funding) wurden vom VfB Stuttgart geprüft und aus verschiedenen Gründen verworfen. Ein Missverhältnis von Ertrag und Aufwand wird als hauptursächlich genannt.

Eine Eigenkapitalfinanzierung wird als „folgerichtig“ angesehen. Ohne einer Würdigung vorzugreifen: Anschaffungen mit Eigenkapital zu finanzieren ist in der Regel auch das Bestreben des Häuslebauers.

Der VfB Stuttgart strebt dabei eine AG als Tochtergesellschaft an für die er Minderheitsanteile (insgesamt unter 25 Prozent) verkauft um damit „erhebliche“ Zuflüsse zu generieren. Als Vorteile werden genannt, dass Unternehmen mit viel Eigenkapital günstiger Fremdkapital aufnehmen können und die Kapitalgeber im Gegensatz zum Sponsoring langfristig an den Verein gebunden werden. Im Folgenden unterscheidet der VfB Stuttgart die möglichen Gesellschafter in Finanzinvestoren und strategische Partner. Finanzinvestoren würden sich durch Eigenheiten auszeichnen und hohe Rendite-Erwartungen in kurzer Zeit haben. Strategische Partner wären gekennzeichnet durch das gemeinsame Interesse an einer soliden und langfristigen Entwicklung. Ein regionaler Bezug würde Identität stiften.

In seinem Kapitel 6 gibt der VfB Stuttgart bekannt, dass alle Mannschaften ab der U16 der Kapitalgesellschaft angehören sollen. Sämtliche Markenrechte gehen in die Kapitalgesellschaft ein. Alle Tochtergesellschaften werden Tochtergesellschaften und damit Teil der Kapitalgesellschaft.

In seinem Kapitel 4 geht der VfB Stuttgart näher auf die Ausgliederung ein. Es wird betont, dass der e.V. eine ¾-Mehrheit in der Kapitalgesellschaft behalten soll und dass die gesetzlichen Rechte der Minderheitsgesellschafter gewahrt würden, was auch bei den bisherigen Tochtergesellschaften selbstverständlich sei. Bei der Auswahl der Kapitalgeber sei ein regionaler Bezug gewünscht, dass die positive Entwicklung des VfB Stuttgart das entscheidende Motiv für das Engagement sei solle vertraglich geregelt werden. Kein Kapitalgeber könne ohne die Zustimmung der Hauptversammlung Aktien übertragen (Anmerkung: im Dokument steht, dass eine Zustimmung des Präsidiums des e.V. notwendig sei. Dies suggeriert eine mögliche Einflussnahme der Mitgliederversammlung des e.V., die faktisch aber nicht gegeben ist).

Der VfB Stuttgart wird ein Wertgutachten erstellen lassen und erwartet, etwa 200 Mio. Euro wert zu sein. Ein Verkauf von bis zu 25 Prozent würde damit ein Maximum von 50 Mio. Euro an Einnahmen bedeuten.

Informiert wird der Vollständigkeit halber darüber, dass über eine möglich Dividende an die Anteilseigner die Hauptversammlung der AG entscheidet.

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