Die Probleme des VfB Stuttgart im Kontext des Profifußballs.

1 Einnahmensituation

Gemäß der Information bei der Mitgliederversammlung 2015 erwirtschaftete der VfB Stuttgart erstmals in der Meistersaison 2007 einen Umsatz von mehr als 100 Mio. Euro. Seit 2009 wurden in jedem Geschäftsjahr über 100 Mio. Euro Einnahmen erzielt.

Im Geschäftsjahr 2014 entfielen rund 18,93 Prozent der gesamten Einnahmen auf Einnahmen aus dem Sponsoring, etwa 30 Prozent kamen aus dem TV-Vertrag und weitere knapp 30 Prozent aus dem Spielbetrieb (u.a. Eintrittsgelder) inklusive der „Business“ (-Logen und –Seats) Vermarktung. Weniger als 10 Prozent der Einnahmen entfielen auf Transfererlöse. Für die Restgrößen wie u.a. die Einnahmen aus dem Fanartikelverkauf bleibt nur noch ein kleiner Prozentsatz.

Größenordnung 2014:

TV-Gelder             32,5 Mio. Euro
Spielbetrieb         30,4 Mio. Euro (inkl. Business Vermarktung)
Sponsoring          20,4 Mio. Euro
Transfers              10,0 Mio. Euro.

Von den Wettbewerbern liegen Vergleichswerte des Geschäftsjahres 2013 vor. In diesem Jahr lag der VfB Stuttgart mit 114,8 Mio. Euro Einnahmen auf Rang 7 in Deutschland.

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/192749/umfrage/umsatz-deutscher-bundesligavereine/

2 Einnahmensituation der Wettbewerber

Im Vergleichszeitraum erwirtschaftete der VfB Stuttgart Einnahmen von 114,8 Mio. Euro. Spitzenreiter war der FC Bayern München mit 528,7 Mio. Euro. Dies entspricht ziemlich genau der Summe der Einnahmen von Borussia Dortmund, Schalke 04 und dem VfL Wolfsburg – wohlgemerkt: zusammen genommen. Im Gegensatz dazu lag bspw. der 1. FC Köln bei 68,6 Mio. Euro und der FC Augsburg bei 47,5 Mio. Euro, so dass beide in Summe wiederum in etwa auf VfB-Niveau liegen. Der Bundesligaschnitt inkl. Bayern München liegt bei 124 Mio. Euro, wobei nur fünf Bundesligisten mehr als diesen Durchschnitt erwirtschaften. Der VfB Stuttgart rangiert auf Platz 7. Ohne den FC Bayern läge der Schnitt bei 100 Mio. Euro. Lässt man neben dem FC Bayern auch die weiteren CL-Teilnehmer außer Betracht, so liegt der um die CL-Millionen bereinigte Schnitt bei 80 Mio. Euro. Daraus kann abgeleitet werden, dass die Einnahmesituation des VfB Stuttgart vergleichsweise komfortabel ist.

Bei seiner Mitgliederversammlung zitierte der VfB Stuttgart Vergleichswerte aus dem Bundesliga-Report 2015.

http://s.bundesliga.de/assets/doc/510000/501988_original.pdf

Dieser findet an dieser Stelle keine Berücksichtigung, da er Beträge nur in Summe über alle Clubs darstellt und nicht aufgeteilt auf die einzelnen Bundesligisten.

3 Liquidität

Die Liquidität (= zur Verfügung stehende Zahlungsmittel) ist beim VfB Stuttgart mangels vorliegenden Zahlenmaterials nicht zu beurteilen.

4 Liquidität der Wettbewerber

Analog zur Einnahmesituation ist bei Vergleichswerten zu beachten, dass der Bundesligadurchschnitt aufgrund der Sonderstellung des FC Bayern München und der CL-Teilnehmer nicht aussagekräftig ist. Ebenfalls sind Liquiditätskennzahlen bei den Werksvereinen aus Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim allem Financial-Fairplay zum Trotz nicht als aussagekräftig zu deklarieren.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Bundesligisten nur sehr bedingt über flüssige Mittel verfügen. So analysierte das Manager-Magazin 2013, dass Hoffenheim „fast zwei Drittel des Umsatzes für Spielergehälter“ ausgibt.

http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/fussballmanagement-die-dunkle-seite-der-bundesliga-a-919212.html

In dem Artikel heißt es ferner:

„Bilanzakrobatik, Vereinsmeierei, halbseidene Partner: Viele deutsche Profiklubs wirtschaften sich trotz des aktuellen Bundesliga-Booms ins Abseits – und werden zur leichten Beute.

Beim Trainingslager seiner Kicker in Abu Dhabi hatte auch Carl-Edgar Jarchow Selbstbewusstsein getankt. Den 2015 auslaufenden Millionenvertrag mit dem Vermarkter Sportfive, tönte der Vorstandschef des Hamburger Sport-Vereins Anfang des Jahres, werde er nicht verlängern. Wirbt der HSV seine Sponsoren selbst an, spart das schließlich die Provisionen.

Heute, kurz nach Start der neuen Bundesliga-Saison, ist von Scheidung keine Rede mehr. Anfang Juni hat Jarchow den Vertrag mit Sportfive vorzeitig bis 2020 verlängert. Der Vermarkter erlässt dem Klub dafür einen Kredit in Höhe von 12,4 Millionen Euro, der in zwei Jahren fällig gewesen wäre.

So weit ist es gekommen. 30 Jahre nach dem Gewinn des Europapokals der Landesmeister liegt das Wohl des Traditionsklubs in der Hand eines Rechtevermarkters. Zum dritten Mal in Folge wird der HSV wohl eine Saison mit Verlust beenden. Und von der Substanz leben, auch das läuft nicht mehr: Das Eigenkapital ist vollständig aufgezehrt.

Der HSV mag zurzeit der am schlechtesten geführte Erstligaklub im Lande sein. Doch auch für viele andere Vereine gilt: Wenn Pokale locken oder der Abstieg droht, bleibt die kaufmännische Tugend auf der Strecke. Und nicht nur die.

Tiki-Taka auf dem Platz, Tricki-Taka im Büro

Wirtschaftlich drohen immer mehr Klubs auf der dunklen Seite zu landen, wie die Kennzahlen der Bundesligaklubs zeigen. Weil viele Manager mehr in ihr kickendes Kapital investieren, als sie sich leisten können, umdribbeln sie die Insolvenzordnung und bandeln mit halbseidenen Partnern an. Tiki-Taka auf dem Platz, aber Tricki-Taka im Büro.

Die Folgen:

– Schalke 04 wies 2012 ein negatives Eigenkapital von 75,7 Millionen Euro aus.
– Die Borussia aus Mönchengladbach bräuchte fast sieben Jahre, um ihre Schulden aus dem Cashflow zu tilgen, die Hertha aus Berlin gar zehn. Ein Mittelständler gälte mit solchem Verschuldungsgrad als Pleitekandidat.“

Am Ende des Artikels findet sich ein Hinweis auf einen „Business Partner“ des VfB Stuttgart. Es handelt sich dabei um den Geschäftspartner, der derzeit den Vorsitzenden des Aufsichtsrats beim VfB Stuttgart stellt.

„Und wenn alle Handgelder vereinnahmt, alle Bilanztricks erschöpft sind und auch die Fans über Anleihen ihrem Lieblingsverein das Ersparte anvertraut ha-ben, weiß jeder Klubmanager, dass er immer noch eine Chance hat: Er kann in Friedrichshafen anrufen. Dort sitzt das Internationale Bankhaus Bodensee (IBB). Die Minibank mit 1,2 Milliarden Euro Bilanzsumme gibt Fußballfirmen auch dann noch Kredit, wenn es sonst kaum einer mehr tut.

Wenn der Lizenzierungsausschuss der DFL die Zahlenwerke der Problemklubs studiert, finden die Prüfer dort oft den Namen IBB. Der ist kaum ein Fußballdeal zu heikel. Transferrechte, Zuschauereinnahmen, Sponsorengelder: Die IBB akzeptiere fast alles als Sicherheiten von den Klubs. Fast die Hälfte der Erst- und Zweitligavereine soll zu ihren Kunden zählen.

Rege nachgefragt wird etwa das Angebot der Bank, Transfersummen teilweise vorzufinanzieren. So kann ein Klub kurzfristig die Liquidität schonen.

Mehrheitseigentümer Reinhold Würth

Nicht selten ist die Bodenseebank bei Vereinen an Bord, die jeden Cent brauchen. So war es 2011 bei 1860 München, so war es bei der insolventen Alemannia aus Aachen. Und so war es vor zehn Jahren in Dortmund, als der BVB an der Insolvenz vorbeischrammte.

Im Fußball sei die IBB „in Deutschland Marktführer“, brüstete sich Vorstand Klaus Gallist bei der Bilanzpressekonferenz im vergangenen Jahr. Sogar bei ausländischen Champions-League-Teilnehmern finanziere die IBB Spielertransfers.

Ihr Risiko lässt sich die IBB natürlich ordentlich bezahlen. Stolze 19,8 Prozent betrug zuletzt die Eigenkapitalrendite vor Steuern. Das dürfte den Mehrheitseigentümer freuen. Der heißt Reinhold Würth. Seit 2006 gehören dem Schraubenkönig aus Künzelsau 90 Prozent der IBB.

Was EZB-Chef Mario Draghi für Südeuropas Pleitestaaten ist, ist Würth für darbende Bundesliga-Klubs: die letzte Hoffnung auf frisches Geld.

Ein Klubmanager sagt, halb anerkennend, halb neidisch: „Wenigstens für den Würth ist die Bundesliga ein glänzendes Geschäft.““

Das Manager-Magazin nannte es „Methoden wie im Rotlichtbezirk“, wie die Bundesligisten sich Liquidität verschaffen. Demnach werden an Sportvermarkter und Ticketagenturen nicht selten 20 Prozent an Provision bezahlt. Das Vorgehen dabei: die Vermarkter bezahlen einen Vorschuss darauf, was sie selbst erst während der mehrjährigen Vertragslaufzeit erwirtschaften. Während der Vertragslaufzeit werden die Erlöse dann zwischen Vermarkter und Bundesligist geteilt, damit bezahlt der Verein den Vorschuss gut verzinst zurück. Die Aktualität des Artikels bestätigte zuletzt der FSV Mainz 05 im Juli 2015.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/mainz-05-millionen-betrag-durch-vermarkter-deal-a-1047122.html

„260 Millionen Euro: So viel Geld bringt Mainz 05 ein neuer Vertrag mit der der Sportmarketing-Firma „Infront Sports & Media“. Das berichten übereinstimmend die „Bild“-Zeitung und der „Kicker“. Der Verein hat einen Vertrag mit Infront inzwischen bestätigt, konkrete Zahlen nannte er nicht.

In den kommenden zehn Jahren übernimmt die Firma den Berichten zufolge die Vermarktung des Klubs, Mainz erhält zusätzlich zehn Millionen Euro, die bei der Vertragsunterzeichnung fällig wurden. Bislang hatte Mainz sich selbst vermarktet.“

Exkurs: der Vermarkter „Infront Sports & Media“ hat seinen Sitz in der Schweiz und steht unter der Leitung von Philippe Blatter, einem Neffen von „Sepp“ Blatter. Das Unternehmen ging aus dem ehemaligen Kirch-Imperium hervor und wurde 2002 von einer Investorengruppe übernommen, welches von Robert-Louis Dreyfus angeführt wurde. Heute gehört „Infront Sports & Media“ einer chinesischen Investorengruppe, der Kaufpreis 2015 lag bei über 1 Mrd. Euro. Günter Netzer ist in führender Position im Unternehmen beschäftigt und war lange Großaktionär. Infront vermarktet für die FIFA die Weltmeisterschaften in Russland und Katar.

http://de.infrontsports.com/ueber-infront/management/

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/sportrechte-vermarkter-chinesischer-investor-kauft-fruehere-netzer-firma-infront-13420095.html

Der genannten chinesischen Investorengruppe gehören daneben noch derzeit 20 Prozent an Atletico Madrid, sie ist darüber hinaus Sponsor der chinesischen Fußballliga. Von 1994 bis 2000 gehörte ihr ein chinesischer Verein, der mittlerweile den Namen des Unternehmens trägt und in dieser Zeit viermal chinesischer Meister wurde. Der Gruppe gehört jede achte Kinoleinwand in den USA und seit August 2015 auch das Markenrecht am „Ironman“.

5 Ausgabensituation

Laut den Angaben auf der Mitgliederversammlung 2015 hatte der VfB Stuttgart im  Geschäftsjahr 2014 Aufwendungen von 106,8 Mio. Euro. Von dem gesamten Betrag entfielen 57,0 Mio. Euro, also mehr als die Hälfte, auf Personalkosten. Für den Spielbetrieb wurden 23,8 Mio. Euro aufgewendet. Nach den Abschreibungen mit 7,9 Mio. Euro aber noch vor dem Transferaufwand mit 5,2 Mio. Euro folgt der Werbeaufwand mit 6,4 Mio. Euro.

Da vom gesamten Personalaufwand nur 42,1 Mio. Euro auf die Lizenzspieler entfallen, veröffentlicht der VfB Stuttgart eine Personalkostenquote von 42,8 Prozent. Entsprechend den Aussagen des Finanzvorstands Heim soll die Quote perspektivisch erhöht werden. Die Aussage ist im Kontext zu sehen, dass nach Angaben des VfB Stuttgart (in Person: Direktor Rechnungswesen, Markus Schmidt) rund 1/3 der Gehälter des Lizenzspielerbudgets erfolgsabhängig ausbezahlt werden. Das entsprechende Wirtschaftsjahr beendete die Mannschaft auf Rang 15. Eine Platzierung besser als 15 erhöht gleichbedeutend die Personalkosten.

Die DFL verkündet in ihrem Bundesligareport 2015 eine durchschnittliche Personalkostenquote aller Bundesligisten von 36,8 Prozent (nur Lizenzspieler) und nennt diese „hervorragend“, da sie deutlich unter dem Schnitt der europäischen Topligen liegt.

http://s.bundesliga.de/assets/doc/510000/501988_original.pdf

Unter Einbeziehung der weiteren Personalkosten (zusätzlich zum Lizenzspielerkader) liegt der Bundesligaschnitt gemäß dem Bundesligareport 2015 bei 43,5 Prozent. Der VfB Stuttgart e.V. liegt mit 53,3 Prozent (57,0 Mio. Euro von 106,8 Mio. Euro) damit um beinahe zehn Prozentpunkte über dem Schnitt.

Die Bemühungen des VfB Stuttgart, die bereits vergleichsweise hohe Personalkostenquote weiter zu erhöhen, sind angesichts der Vergleichswerte kritisch zu hinterfragen.

6 Ausgabensituation der Wettbewerber

Gemäß den Angaben des VfB Stuttgart bei der Mitgliederversammlung 2015 lag die Personalkostenquote in der Saison 2013/2014 im Bundesligaschnitt bei 36,8% (siehe Bundesligareport 2015); in der Bundesligaspitze darunter, beim VfB Stuttgart deutlich darüber.

Das Handelsblatt hat die Personalkosten der Bundesligisten für die Saison 2014/2015 verglichen und festgestellt, dass die Personalkosten „explodieren“:

http://www.handelsblatt.com/sport/fussball/fussballmillionaere-im-vergleich-in-der-bundesliga-explodieren-die-gehaelter/10715082.html

RP-Online hat wie der VfB Stuttgart die Saison 2013/2014 zusammengestellt:

http://www.rp-online.de/sport/fussball/bundesliga/bundesliga-13-14-die-etats-der-klubs-bid-1.3548908

Der VfB Stuttgart rangiert in beiden Übersichten der Personalkosten jeweils auf Rang 7, beispielsweise deutlich vor Gladbach und Hoffenheim.

Dabei waren mit den Personalkosten des VfB Stuttgart die Kader von Hertha und Freiburg insgesamt zu finanzieren.

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/264786/umfrage/lizenzspieleretat-der-fussball-bundesligisten/

Der VfB Stuttgart hatte in der Saison 2013/2014 Einnahmen von 114,8 Mio. Euro und Personalkosten (nur Lizenzspieler) von 40 Mio. Euro. Von jedem eingenommenen Euro wurden damit 35 Cent in das Gehalt der Lizenzspieler investiert.

Hertha BSC hatte in der Saison 2013/2014 Einnahmen von 104,3 Mio. Euro, Personalkosten (nur Lizenzspieler) von 23 Mio. Euro. Von jedem eingenommenen Euro wurden damit 22 Cent in das Gehalt der Lizenzspieler investiert.

Bei den übrigen Ausgaben ist eine Vergleichbarkeit schwer herstellbar. Daten in einer großen Bandbreite können noch für die Stadionmiete gewonnen werden. Hier zahlt Eintracht Frankfurt 9 Mio. Euro pro Jahr, während Bayern München im eigenen (abgezahlten) Stadion spielt.

http://www.stadionwelt.de/sw_stadien/index.php?head=Stadionmiete-Nichts-ist-usonst&folder=sites&site=news_detail&news_id=12079&gal_id=108&bild_nr=1

Die diesbezüglichen jährlichen Aufwendungen des VfB Stuttgart werden nicht kommuniziert, dürften aber gemäß den Ausführungen in Kapitel 02.02 – Die Tochergesellschaften des VfB Stuttgart. bei mindestens 8,5 Mio. Euro jährlich liegen.

7 Eigenkapital

Unter einer Eigenkapitalquote versteht man eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis vom Eigenkapital zum Gesamtkapital eines Unternehmens wiedergibt. Das Gesamtkapital ist dabei die Bilanzsumme des Vereins.

Exkurs: Jeder Bundesligist muss wie andere Unternehmen auch eine jährliche Bilanz sowie eine Gewinn- und Verlustrechnung erstellen. In der Bilanz werden auf der Aktivseite alle Vermögensgegenstände des Betriebs ausgewiesen und bewertet. Die Passivseite einer Bilanz zeigt, wie das Vermögen finanziert wurde – entweder durch Eigenkapital oder durch fremdes Kapital. Hat ein Verein bspw. viele Verbindlichkeiten, so hat er Vermögen durch fremdes Geld finanziert.

In der Gewinn- und Verlustrechnung werden alle Erträge und Aufwendungen des Geschäftsjahres gezeigt. In Summe ergibt sich damit ein Gewinn oder eben ein Verlust. Der Gewinn erhöht das Eigenkapital, der Verlust reduziert das Eigenkapital. Mehr Eigenkapital bedeutet bessere Konditionen bei der Kreditaufnahme, vergleichbar mit dem privaten Häuslebauer. Wer mehr Eigenkapital hat, kann sich mehr leisten.

Der VfB Stuttgart e.V. macht keine Angaben zu seiner Eigenkapitalquote, beziffert das Vereinsvermögen (Eigenkapital) jedoch auf 9,6 Mio. Euro. Völlig unbekannt sind die entsprechenden Kennzahlen bei den zahlreichen Tochtergesellschaften.

Das Vereinsvermögen des VfB Stuttgart e.V. lag zum Vergleich noch 2009 bei 23,7 Mio. Euro und 2005 bei 2,8 Mio. Euro.

8 Eigenkapital der Wettbewerber

In Summe verfügen die Clubs der 1. Bundesliga gemäß dem Bundesligareport 2015 über ein Eigenkapital von 807,3 Mio. Euro. Bei einer gesamten Bilanzsumme von 2,3 Mrd. Euro entspricht dies einer Eigenkapitalquote von etwa 30 Prozent. Das Eigenkapital des FC Bayern München lag nach aktuellen Angaben zu diesem Zeitpunkt bei 405,0 Mio. Euro.

https://www.fcbayern.de/de/news/news/2015/jhv-2015-fc-bayern-mit-rekordgewinn-im-meisterjahr-271115.php

Mehr als die Hälfte des Eigenkapitals aller Bundesligisten macht damit das Eigenkapital des FC Bayern München aus. Der Branchenführer kommt nach aktuellen Angaben auf eine Eigenkapitalquote des Konzerns von rund 70 Prozent.

https://www.fcbayern.de/media/native/pressefree/Jahresabschluss_%20Konzern_14-15.pdf

Bei einer Analyse der offen gelegten Bilanzen kam der FOCUS 2013 auf ein negatives Eigenkapital bei den Wettbewerbern aus Augsburg, Berlin, Hamburg und Schalke.

http://www.focus.de/finanzen/news/tid-32711/der-grosse-finanzcheck-zum-saisonstart-das-sind-dir-schulden-meister-der-bundesliga_aid_1061276.html

Das Fremdkapital dieser Bundesligisten überstieg damit das auf der Aktivseite ausgewiesene Vermögen. Alarmierend waren dabei Vergleichswerte der 2. Bundesliga.

„Besonders gravierend ist der Kapitalmangel in der 2. Bundesliga. Dort betrug das Eigenkapital aller Clubs Ende Juni 2012 zusammen genommen minus 30,8 Millionen Euro.“

Als eines der positiven Beispiele galt noch mit Abschluss des Geschäftsjahres 2010/2011 der SV Werder Bremen mit einem Eigenkapital von über 40 Mio. Euro. Am 22. Oktober 2015 berichtet der SportInformationsDienst (SID) darüber, dass von einst sogar 60 Millionen Eigenkapital nunmehr nichts mehr übrig ist.

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.eigenkapital-fast-aufgebraucht-medienbericht-werder-bremen-wieder-mit-dickem-minus.e911e255-7f1f-4cc9-89ce-dcbc28cdf828.html

Das Eigenkapital der TSG Hoffenheim lag zuletzt bei 89 Mio. Euro, Tendenz stark sinkend. Insgesamt investierte Hr. Hopp nach eigenen Angaben mindestens 240 Mio. Euro Eigenkapital (sogenannte atypisch stille Beteiligung) in den Club. Die Zahl gilt als verifiziert, so dass davon ausgegangen werden kann, dass der Bundesligist in den letzten Jahren rund 150 Mio. Euro davon ausgegeben hat, ohne entsprechende Gegenleistungen dafür zu erhalten.

http://www.achtzehn99.de/newsarchiv-2/newsarchiv-2015/november-2015/tsg-1899-hoffenheim-investiert-in-die-zukunft/

http://www.jp4sport.biz/archive/4037/bilanzanalyse-hoffenheim-keine-probleme-mit-financial-fairplay/

Nach aktuellen Angaben betrug das Eigenkapital von Borussia Dortmund im Vergleichszeitraum 2013/2014 rund 180 Mio. Euro und liegt mittlerweile bei über 320 Mio. Euro.

http://aktie.bvb.de/BVB-auf-einen-Blick/Kennzahlen

Vereinfacht ausgedrückt stellen Bayern, Dortmund und Hoffenheim das Eigenkapital der gesamten Bundesliga. Die weiteren Bundesligisten schaffen in Summe eine schwarze Null. Zieht man davon noch die Kaliber Leverkusen (rund 60 Mio. Eigenkapital) und VfL Wolfsburg (unbekannt) ab, so verbleibt in Summe für 13 Bundesligisten ein negatives Eigenkapital, wovon den Großteil der FC Schalke zu verantworten hat.

http://www.investor.bayer.de/de/berichte/jahresabschluesse-bayer-ag/
Siehe dort: Seite 37 des Abschlusses 2014.

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