Die Eröffnung. Der aktuelle Stand in der Ausgliederungsgeschichte.

Der aufgeworfene Gedanke einer Ausgliederung beim VfB Stuttgart ist nicht neu.

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Bereits im Jahr 2000 berichtete die FAZ über Pläne des damaligen Präsidenten Manfred Haas, der eine Ausgliederung in Betracht zog.

Manfred Haas, im Hauptberuf Vorstandschef der baden-württembergischen Sparkassen-Versicherung und nach der Mitgliederversammlung des VfB am 30. Oktober vermutlich Nachfolger von Gerhard Mayer-Vorfelder als VfB-Präsident, zeigt sich für das Thema Börsengang offen. „Wir beschäftigen uns konzeptionell damit“. Eine Anwaltskanzlei sei bereits mit einem Gutachten für die Umwandlung des Vereins in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) beauftragt worden. „Es kommen erhöhte Anforderungen auf uns zu“, begründete der Manager den geplanten Schritt.

So schnell wurde dann aber doch nicht geschossen. Stattdessen überlegte sich der VfB Stuttgart ein Modell einer Beteiligungs-GmbH: eine Gesellschaft, in die Investoren investieren können. Im Gegenzug erhalten sie eine jährliche Ausschüttung.

http://www.berliner-zeitung.de/archiv/eine-bislang-einmalige-beteiligungs-gmbh-soll-den-vfb-stuttgart-retten-riskante-einlage-ohne-garantie,10810590,9848922.html

Und davon möchte Haas ein Stück abbekommen. Er will die Konzerne im Ländle dazu bringen, dass sie von sich aus eine Beteiligungs-GmbH gründen, je nach dem, wie viele und mit welcher Einlage diese sich daran beteiligen, käme dann ein Betrag von „bis zu fünfzig oder auch mehr Millionen Mark“ zusammen.

Dies soll mit einer Rendite von vier bis neun Prozent des Anlagekapitals versüßt werden.

Schließlich seien Details zu klären. Etwa, ob ein Kapitalgeber nach kurzer Zeit wieder aussteigen könne. Oder inwieweit die Beteiligungs-GmbH sich in die Vereinspolitik einschalten darf. Dass sich dann bei der Pressekonferenz doch noch der Marketing-Direktor Hansi Müller verplapperte und DaimlerChrysler nannte, ließ den Gesichtsausdruck von Haas nicht gerade glücklich erscheinen.

Der Text klingt aktuell, ist aber 15 Jahre alt. Statt der anvisierten fünfzig Millionen Mark bei einer Rendite bis zu 9 Prozent kamen bis 2002 rund 6 Millionen Euro zusammen. Über die Kapitalgeber und deren erzielte Rendite ist nichts bekannt.

Die Ausgliederungspläne gingen jedoch weiter.

http://www.welt.de/print-welt/article418692/Arbeitgeberpraesident-Hundt-raeumt-beim-VfB-Stuttgart-auf.html

Damit soll eine weitere Voraussetzung geschaffen werden, damit der Klub nach Aussage von Präsident Manfred Haas „in zwei bis drei Jahren“ seine Lizenzspielerabteilung ausgliedern und in eine Kapitalgesellschaft umwandeln kann. Haas: „Alle Prüfungen haben ergeben, dass dies erst sinnvoll ist, wenn die Finanzen geordnet sind.“

Die damaligen Entwicklungen haben heute noch bestehende Grundlagen geschaffen. Schon damals wurde eine Anwaltskanzlei vom VfB Stuttgart beauftragt, eine Ausgliederung in eine GmbH & Co. KGaA zu prüfen. Die VfB Stuttgart 1893 GmbH & Co. KGaA wurde gegründet, kam jedoch nie über den Status hinaus, ein Mantel ohne Inhalt zu sein. 2014 wurde die Gesellschaft in eine AG umgewandelt.

https://www.online-handelsregister.de/handelsregisterauszug/bw/Stuttgart/V/VfB+Stuttgart+1893+GmbH+%26+Co.+KGaA/206923

Handelsregister Löschungen vom 03.11.2014
HRB 24580: VfB Stuttgart 1893 GmbH & Co. KGaA, Stuttgart, Mercedesstr. 109, 70372 Stuttgart. Ausgeschieden als Persönlich haftender Gesellschafter: VfB Stuttgart 1893 e.V., Stuttgart (Stuttgart HRB 24282). Die Gesellschaft ist aufgrund des Umwandlungsbeschlusses vom 27.09.2014 in eine Aktiengesellschaft unter der Firma „VfB Stuttgart 1893 AG“, Stuttgart (Amtsgericht Stuttgart HRB 750582) gemäß § 190 ff. UmwG formwechselnd umgewandelt.

Die VfB Stuttgart 1893 AG gibt es demnach bereits, es handelt sich um eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des VfB Stuttgart e.V. Ebenfalls seit 2014 wachsen die Bemühungen der Vereinsführung um Bernd Wahler, einen erneuten Anlauf bezüglich einer Ausgliederung zu starten.

http://www.spiegel.de/sport/fussball/vfb-stuttgart-neue-plaene-zur-ausgliederung-der-profiabteilung-a-998802.html

Die Partner befürworteten bei dem Treffen eine Ausgliederung grundsätzlich, hieß es weiter. Wahler und Schmidt seien allerdings einige Antworten auf drängende Fragen schuldig geblieben. Voraussichtlich im April soll auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung über das Projekt entschieden werden. Laut Satzung ist eine Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen erforderlich.

Um die Antworten vorzubereiten hat es offensichtlich zwei Jahre gedauert. Auf regionalen Versammlungen schwört die Vereinsführung die Mitglieder ein, am 17. Juli 2016 ihre „JA“-Stimme zur Ausgliederung zu geben. Die Mitglieder begleiten die Entwicklung kritisch und wissen derzeit nicht, was da auf sie zukommt.

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.vfb-stuttgart-rainer-mutschler-auf-heikler-mission.cced0dbe-859f-44c5-8c22-d4485675c22e.html

Öffentlich redet er darüber nicht, um falsche Zungenschläge zu vermeiden. Schließlich benötigt der VfB bei der Mitgliederversammlung eine 75-Prozent-Mehrheit, um die Ausgliederung auf den Weg zu bringen. Wie schwierig sie zu erreichen ist, hat der Verein im Frühjahr erfahren, als ihm Fans und Mitglieder aufgrund der sportlichen Schieflage die Gefolgschaft verweigerten.

Ist der VfB Stuttgart bereit für eine Ausgliederung? Was sind die Konsequenzen? Was sind die Vorteile? Was sind die Nachteile? Wie viele Fragen sind bereits beantwortet – und wie viele Fragen sind noch offen?

Bis zur Abstimmung am 17. Juli sollten alle Fragen geklärt sein. Ansonsten macht eine Abstimmung nur wenig Sinn. Fragen können an den VfB Stuttgart gestellt werden.

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